“Maps of reason” in Gezeitenstrom

Ätherische Klanglandschaften

Ende März erscheint für alle Freunde des verträumten Ambient ein echter Hörgenuss. Vielleicht ist man schon mal über den Namen Tropic of Coldness gestolpert in diesem Musikbereich, denn das Duo angesiedelt in Brüssel hat schon einige Jahre mit ihrer Klangästhetik auf einem ziemlich hohen Niveau abgeliefert. Nun muss man dazu auch sagen, dass in diesem Musikgenre ein dichtes Gedränge gibt und viele Künstler ihre eigene Interpretation immer wieder gerne in ihrer Musik ausdrücken. Tropic of Coldness mögen zwar auch im direkten Sinne keine Pioniere sein, doch welche Klanglandschaften auf der neuen Platte „Maps of reason“ zu entdecken sind, ist schon sehr beeindruckend.

Tropic of Coldness ist ein Duo, welches im Herbst 2011 vom Amerikaner David und den Italiener Giovanni in Brüssel gegründet wurde. Die zwei sind auch in unterschiedlichen Formation in ihrer Heimat zu finden. Die erste EP mit dem Titel “Commuting” erschien 2012 und wurde von Presse und Hörer gleichermaßen lobend aufgenommen. Das letzte Werk von den Beiden war das Album „Framed Waves“ aus dem letzten Jahr. Der eingeschlagene Stil und die Wurzeln der beiden Musiker liegt in der Elektroakustik, verzweigt in die Musikbereiche von Ambient und Drone, mit leichten Nuancen aus dem experimentellen mit expressionistischen Rahmen. Leise und vertraut vermag diese Musik in die tiefste Ecke der Seele vorzudringen.

Beschaulichen Klanglandschaften

Wie zu erwarten verschachteln die Zwei in ihren Kompositionen viele Elemente aus den Musikbereichen zu einem homogenen Klanggefüge. Den akustischen Rahmen bilden strukturierte Schichten auf dem Synthesizer, melodische Facetten, die zur Klangästhetik mutieren können. Darüber thronen die Gitarreneffekte, lange nachhallende Reverbs der Gitarren, gepaart mit Delays. Hinzu kommen marginale Kulissen aus Geräuschen und Feldaufnahmen. Die daraus resultierenden Klangfarben besitzen einen verträumten und ätherischen Anstrich, der so unvergleichlich ist in diesem Musikbereich und es schafft, viele Hörer immer wieder auf das Neue und seinen Bann zu ziehen. Die Musik ist ruhig und gedankenverloren, mit leichter Melancholie durchzogen. Die Zwei schaffen es mit ihrer Musik, sphärische Augenblicke zu kreieren, die sehr bedächtig und ausgeglichen zum Reflektieren einladen.

Diese eingängigen Melodien sind sehr emotional geprägt und finden in einigen Songs geradezu ihren Zenit. Trotzdem fällt es schwer, einzelne Stücke auf dem Album hervorzuheben, denn Maps of reason ist als Gesamtwerk anzusehen. Knapp 40 Minuten lang darf man daher seinen Gefühlen zu der Musik freien Lauf lassen. Harmonie und emotionale Feinfühligkeit sind auf allen vier Songs der ausschlaggebende Aspekt. Ja, es sind zwar nur vier Stücke auf dem Album zu finden, doch mit Spiellängen meist um die 10 Minuten hat man genug Zeit, sich treiben zu lassen von einer Mischung aus gefühlvoller Romantik mit lakonischen Tangenten. Teils friedvoll agieren die Klanglandschaften und decken einen sanft wie eine warme Decke ein.

Auch wenn das Duo rund um Tropic of Coldness das Rad im Musikbereich sicher nicht neu erfindet, so ist Maps of reason doch ein solides Album im Genre geworden. Mit seinen beschaulichen Klanglandschaften bauen die Beiden einen Dom aus Entspannung und meditativen Gleichgewicht im Inneren der Seele. Daher ist die Mischung aus Ambient und Drone-Aspekten durchaus eine Erfahrung, die man gerne als Hörer macht. Veröffentlicht wird das Album am 31. März 2019 über das Label KrysaliSound. Das Bild stammt von der Webseite Fluid-Radio.

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