“Last Goodbye” in Gezeitenstrom Musikmagazin

Vom Abschied und Neuanfang.
Es gibt manchmal Dinge im Leben, die schleppen wir mit uns monatelang herum. DunkleSchatten in der Seele, die einem mit jedem Atemzug durchbohren. Wir halten daran fest, Hoffnungen, die doch verblassen eines Tages. Doch ein Schritt wäre auch loszulassen, alle Gedanken zu sammeln und diese ein letztes Mal zu verabschieden. „Last Goodbye“ vom japanischen Musiker Hirotaka Shirotsubaki ist so ein letzter Brief im akustischen Sinne, der es allerdings sehr schwer macht, loszulassen mit einer hoch-melancholischen Aura. Doch wo eine Tür sich schließt, öffnet sich meist eine Neue.

Der Komponist Hirotaka Shirotsubaki aus der kleinen Stadt Kobe in Japan mag zwar ein unbeschriebenes Blatt sein, zumindest auf unserem Kontinent. Er begann 2011 seine Karriere im musikalischen Bereich, inspiriert von der Natur und Geschichte seiner Umgebung. Seit dieser Zeit veröffentlichte der Japaner viele Musikstücke in regelmäßigen Abständen. Last Goodbye ist das neue Album, gewidmet auch einem Konzept:
In Japan endet die Ära “Heisei” in diesem Jahr. Eine Zeitspanne, die für Hirotaka Shirotsubaki bedeutsam war. Daher auch der finale Abschied mit all den positiven und negativen Aspekten und Zeit, eine neue Ära einzuläuten.

Gefühle von Sehnsucht, Verlorenheit und Empathie

​Last Goodbye ist ein Album geworden, welches einem sofort gefangen nimmt mit der ruhigen und fragilen Art. Texturierte und melodische Klanglandschaften, verträumt und romantisch in den Strukturen, wie ein leiser Wind, der einem sanft durch die Haare fährt. Hervorgerufen durch wirklich ätherische Gitarreneffekte und elektronischen Tagenden. Die Klang Kollagen bergen eine Essenz der reinen Melancholie, die dem Hörer sanft den Boden und den Füssen zieht, um in auf akustischer Wolken der Perfektion zu betten. Die vorherrschende emotionale Breite besteht aus Gefühlen von Sehnsucht, Verlorenheit und Empathie. Vertraute Klänge, die tief unter die Haut reichen.

Dem Album gelingt es auch perfekt, tief in die eigene Gefühlswelt einzugreifen und diese auf den Kopf zu stellen. Es kann durchaus tief greifende Gedanken vernebeln oder Dinge klarer sehen lassen. Der Hörer entscheidet selbst, wie er zu den Traum-verlorenen Klangdimensionen steht. Die Stücke auf dem Album haben die ideale Spiellänge von 6-8 Minuten, Zeit, um sich darin voll und ganz verlieren zu können. Alleine die romantische Klangästhetik von Songs wie „Rokko“ oder „December Snow“ sind Herausstellungsmerkmale für das Album und dem Musikbereich des Ambient.

Akustische Reise zwischen gedankenverlorenen Dimensionen

​Doch das Album hat noch mehr zu bieten: Wer bei den Songs „Sputnik“ und „Solitude“ nicht einen leisen Schrei seiner eigenen Seele vernimmt, besitzt wohl ein Herz aus Stein. Das Gefühl von Einsamkeit wurde hier besonders akustisch aufgearbeitet. Insgesamt finden 6 Stücke den Platz auf Last Goodbye, die Spiellänge ist mit 41 Minuten reichlich, um eine akustische Reise zwischen gedankenverlorenen Dimensionen anzutreten. Da es immer schwer ist, diese Gefühls-gesteuerte Musik in Worte zu fassen, ist ein Zitat von Nietzsche die perfekte Umrahmung von Last Goodbye: „Die größten Ereignisse — das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.“

Das Album „Last Goodbye“ reiht sich nahtlos ein für das Jahr 2018, wo es einige Hochkaräter im Genre des Ambient gab. Es blickt dem Hörer tief in das Herz, Zerstreuung, Frieden oder Isolation wird darin mit den Klanglandschaften manifestiert. Das ist auch immer die große Stärke von herausragenden Komponisten, Gefühle mit der Musik auf eine oberste Ebene zu verknüpfen, die einen lange im Ohr bleibt. Veröffentlicht wird Last Goodbye am 09. Dezember 2018 über Krysalisound, empfehlen können wir das Album allen Musikliebhabern, die zu Etwas oder Jemanden einen letzten Abschied gedenken.

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